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Bewertung in der FMEA: AP Logik statt RPZ

Die meisten bisherigen Bewertungsansätze der FMEA-Methode folgten dem Konzept, eine sogenannte Risikoprioritätszahl (RPZ) [mehr] für die Priorisierung von Risiken zu verwenden. Jedoch lieferten sie keine Begründung oder Logik dafür, wie dies auf Basis der zahlreichen möglichen Kombinationen von B, A, E und der RPZ erfolgen sollte. Unsinnige oder auch zum Teil sehr gefährliche Kombinationen sind bei vergleichsweise geringer Risikopriorisierung hier durchaus möglich.

Das eigentliche Ziel der RPZ, nämlich Prioritäten für notwendige Maßnahmen abzuleiten, stellt sich in der Realität manchmal als nicht zielführend heraus. Es kann durchaus vorkommen, dass trotz einer niedrigen RPZ hohe Einzelwerte in den Bereichen B, A oder E Maßnahmen erforderlich machen. Eine Beurteilung von Risikopotentialen ausschließlich anhand der RPZ war in der Vergangenheit somit immer mit einer Unschärfe versehen.

Beispiel:

Eine RPZ von z.B. 80 kann durch sehr unterschiedliche Werte der einzelnen Kennzahlen entstanden sein:

Ist ein Fehler mit einer Bedeutung von B=10, einer eher geringen Auftretenswahrscheinlichkeit von A=2 und einer kaum möglichen Entdeckung von E=4 tatsächlich von der Priorität als gleichwertig anzusehen wie ein Fehler, bei dem die Bedeutung lediglich bei B=4 liegt, der jedoch kaum auftritt (A=2) aber fast nicht entdeckt werden kann (E=10)? Somit sollten in jedem Fall endgültige Entscheidungen über entsprechend einzuleitende Maßnahmen nicht nur der RPZ überlassen werden sondern zusätzlich auch nach dem gesunden Menschenverstand bzw. als Ergebnis der Teamdiskussion festgelegt werden.

Aufgabenpriorität (AP) der D-FMEA

Mit der Harmonisierung der FMEA Handbücher des VDA und der AIAG kommt nun in diesem Zusammenhang ein neues Konzept zum Tragen. Die Priorisierung erfolgt nun nach einer Logik der Aufgabenprioritäten (AP-Logik). Die AP-Tabelle bildet ebenfalls alle 1000 bisher möglichen Kombinationen von B, A und E ab. Sie beinhaltet dabei eine logisch aufgebaute Erklärung für jede Aufgabenpriorität. Aufgaben können aufgrund individueller Bewertungen der einzelnen Werte von B, A, und E und deren Kombinationen priorisiert werden. Ein Handlungsbedarf kann dadurch viel genauer und auch sicherer festgelegt werden.

Die in den bisherigen FMEA-Ansätzen fehlenden Begründungen bzw. Logikdetails liegen ausgearbeitet vor und können in einer einzigen Tabelle zusamengefasst werden. D.h. Unternehmen können ein einziges standardisiertes System zur Auswertung von Aufgabenprioritäten verwenden, anstatt unterschiedlichen Bewertungsansätzen und Bewertungsanforderungen seitens der Kunden folge zu leisten.

Nach wie vor steht es Unternehmen in vielen Bereichen frei, die verwendeten Bewertungsmaßstäbe für Ihre jeweiligen spezifischen Produkte oder Prozesse anzupassen. Sollten die Bewertungsmaßstäbe für B, A und E allerdings tatsächlich individualisiert und angepasst werden, so wird zwangsläufig auch mindestens eine genaue Überprüfung wenn nich auch Anpassung der AP-Logiktabelle notwendig sein.

Die aktuell vorliegenden Bewertungstabellen für D-FMEA, P-FMEA und FMEA-MSR sind verschieden, so unterscheiden sich folglich auch die drei AP-Logiktabellen.

Beispiel aus der D-FMEA:

Hinweise:
  • Wird eine Bedeutung der Fehlerfolgen von 9-10 und die Aufgabenpriorität Hoch bzw. Mittel festgelegt, sollte spätestens dann eine Überprüfung durch das Management erfolgen, inkl. festgelegter Maßnahmen.
  • Die Aufgabenprioritäten dienen nicht zur Priorisierung eines hohen, mittleren oder geringen Risikos, sondern zur Priorisierung der Notwendigkeit von Maßnahmen, um das Risiko zu reduzieren.
  • Werden keine Maßnahmen als erforderlich angesehen, muss mindestens die Feststellung: “Keine weitere Maßnahme erforderlich”, eingetragen werden.
  • Einen Link zu den vollständigen Bewertungs- und Logiktabellen finden Sie auf der rechten Seite.