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Methodenskript Attribute Listing

Unter dem Motto: “Eine alte Methode, neu entdeckt!” freut es uns, Ihnen das bereits aus den 1930er Jahren bekannte “Attribute Listing” vorstellen zu dürfen. Die Methode folgt dem Prinzip der systematischen Variation und ist auch als modifizierte Morphologie bekannt. Die Anleitungen und Formulare sollen Ihnen eine Hilfestellung bei Ihrer täglichen Arbeit liefern und können selbstverständlich von Ihnen benutzt, verändert oder auch weiterentwickelt werden.

Definition

Das Attribute Listing wurde schon in den 30er Jahren von Robert Crawford (1933) beschrieben und steht in enger Verwandtschaft mit dem „Morphologischen Kasten“. Im Unterschied dazu, ist der Anwendungsbereich des Attribute Listing (auch modifizierte Morphologie genannt) viel enger und detaillierter gefasst. Hier wird durch systematisches Vorgehen versucht, ein vollständiges Bild von möglichen Produkt- und Prozessverbesserungen aufzuzeigen, indem alle Schlüsselattribute aufgelistet und einige davon signifikant verändert bzw. verbessert werden.

Methodenbeschreibung

Bei der Anwendung der Methode geht man von einem bereits bestehenden Produkt oder Prozess aus; es findet keine Neuentwicklung statt. Ein Produkt wird beispielsweise in seine wesentlichen Merkmale unterteilt und deren Charakteristika genauestens beschrieben. Zu jedem dieser Merkmale, jeder Ausprägung wird im Anschluss eine alternative Gestaltung oder Umsetzung gesucht. Belastbare Variationen können dann sogar zu einer Neukonzeption führen oder eignen sich um ein Produkt durch eine innovative Neuerung weiterhin interessant und attraktiv zu erhalten.

Methodeneinsatz

Das Attribute Listing wird vorwiegend eingesetzt um einen Produkt-Lebenszyklus zu verlängern, indem das Produkt mit innovativen oder kundenfreundlichen Neuerungen ausgestattet wird, ohne dass es einer grundsätzlichen Neukonzeption bedarf. Attribute Listing kann auch beitragen, die Produktpalette oder das Dienstleistungsangebot systemnah zu erweitern um so einen Wettbewerbsvorteil gegenüber den Mitbewerbern zu erreichen. Die Einsatzmöglichkeit bei komplexen Prozessabläufen nimmt mit Zunahme der Komplexität allerdings deutlich ab.

Ablauf

– Festlegung des zu betrachtenden Produkts oder Prozesses (verbesserungsbedürftig, nicht zufriedenstellend, problembelastet, etc.).

– Auflistung sämtlicher Schlüsselattribute oder wesentlichen Merkmale für das festgelegte Produkt / den festgelegten Prozess.

– Beschreibung des IST-Zustands aller Merkmale (Umsetzung, Ausführung, Material, Geometrie, etc.).

– Variation und/oder systematische Suche nach anderen Möglichkeiten der Merkmalsausprägung (Welche Alternativen gibt es?).

– Diskussion und Auswahl interessanter und belastbarer Varianten.

Beispiel

Wie können wir einen Kugelschreiber verbessern?

Attribut / Merkmal IST Zustand mögliche Alternativen / Varianten
 

Bauteile

 

 

Oberteil, Unterteil, Mine, Feder, Druckknopf und Halteclip einzeln

 

Einteiliger Körper, nur von oben zu bestücken

 

Feder, Mine und Druckknopf fest verbunden

Schreibmedium

 

Kugelschreibertinte

 

Füllertinte

 

Gel

 

Lack

 

Lebensmittelfarbe

Geometrie

 

Querschnitt rund, ca. 10 mm

 

Rund, 20 mm

 

Oval, 10 mm

 

Dreieckig

 

Quadratisch

Mechanismus

 

Mine wird durch Drücken des Druckknopfes herausgefahren

 

Schraub-mechanismus

 

Mine wird durch Erwärmen heraus-gefahren

 

Schütteln

 

Seitlicher Schiebe-mechanismus

Material

 

Oberteil und Unterteil aus Kunststoff

 

Aluminium

 

Kombination Alu / Kunststoff

 

Holz

 

Bambus

Verbindung

 

Schraubverschluss

 

Bajonettverschluss

 

Klickverschluss

 

Linksgewinde

 

Magnetverschluss

Besonderheiten

 

Halteclip aus Kunststoff

 

Clip aus Metall

 

Abdeckung

 

Beleuchtung

 

USB Port

Vorteile

  • Verbindet intuitives und strukturiertes Arbeiten.
  • Darstellung sämtlicher Variationen ist sehr übersichtlich.
  • Liefert eine große Anzahl an Lösungsmöglichkeiten, Variationen und Kombinationen.
  • Probleme (in Produkten oder Prozessen) werden in Teilprobleme zerlegt und sind einfacher zu betrachten.
  • Sowohl als individueller Denkansatz als auch als Gruppenarbeit anwendbar.
  • Zur Weiterentwicklung gedacht, baut auf bereits bekannten Lösungsansätzen auf.
  • Nach Festlegung der Merkmale können auch Nicht-Fachleute Beiträge zur Ideenfindung leisten.

Nachteile

  • Gefahr von unüberschaubar vielen Kombinationsmöglichkeiten selbst bei relativ wenigen betrachteten Merkmalen / Attributen.
  • Zeitlicher Aufwand um mögliche Varianten zu identifizieren.
  • Systematische Vorgehensweise behindert kreative und intuitive Denkansätze.
  • Festlegung der zu betrachtenden Merkmale / Attribute ist kritischer Schritt, dieser erfordert hohen Kenntnisstand.

Anmerkung

Beispielsweise kann Attribute Listing auch erfolgreich im Marketing eingesetzt werden. Die Positionierung eines Produktes im Markt kann durch folgende verschiedene Faktoren beeinflusst werden:

Bestimmte Verwendungs- oder Gebrauchsart: Hochzeits-Torte, Wellness-Hotel, Ski-Ort,…

Produktvorzüge: besonders robust, dadurch geländetauglich; lösemittelfrei, dadurch Kindertauglich;…

Produktmerkmale: bio, organic, laktosefrei,…

Zielgruppe: Rennrad für Sportler, Kamera für Fotografen, Bohrmaschine für Handwerker,…

Mitbewerber: kompatibel zu Kunststoff-Stecksystem-Spielzeug (LEGO),…