Schwarmintelligenz in der FMEA nutzen!


Wir neigen dazu, Tieren menschliche Wesenszüge, Emotionen und sogar Intelligenz zuzuschreiben. Vor allem Letzteres, wenn wir die perfekt sechseckig ausgebauten Honigwaben von Bienen betrachten, Ameisenstrassen folgen oder hochkomplex angelegte Insektenkolonien inklusive Klimaanlage bestaunen dürfen. Aber da täuschen wir uns: Bienen, Ameisen und andere schwarm- oder kolonienbildenden Tiere sind gar keine smarten kleinen Ingenieure, Architekten oder Strategen – zumindest nicht als Einzelwesen! Wenn zu entscheiden ist, was als Nächstes getan werden muss, hat das Individuum gar nicht so viel Ahnung. Aber wie ist dann der große evolutionäre Erfolg von Biene, Ameise und Co. zu erklären? Immerhin bevölkern sie die Erde schon seit Jahrmillionen in unzähligen verschiedenen Arten.

Eine Erklärung könte darin liegen: Schließen sich viele dieser Individuen beispielsweise zu einer Ameisenkolonie zusammen, so entsteht scheinbar ein neues, überragendes und alles lenkendes Bewußtsein. Dies bringen die Biologen trefflich auf den Punkt:”Ameisen sind nicht clever, Ameisenkolonien schon!”.

Eine Kolonie findet Problemlösungen, die für einzelne Ameisen undenkbar wären. Die Kolonie nutzt den kürzesten Weg zur besten Futterquelle, verteilt Aufgaben an die Arbeiterinnen, verteidigt das Revier. Als Individuen sind Ameisen völlig hilflos, aber als Kolonie reagieren sie schnell und effizient auf ihre Umwelt. Die Fähigkeit dazu nennt man kollektive Intelligenz oder Schwarmintelligenz.

Kollektive- oder Schwarmintelligenz

Hierbei handelt es sich um ein Phänomen, bei dem Gruppen von Individuen durch Zusammenarbeit intelligente Entscheidungen treffen können, und daß unabhängig von der Intelligenz des einzelnen Mitglieds. Diesen Gruppen gemeinsam ist oft eine dezentrale und nicht-hierarchisch organisierte Entscheidungsstruktur.

Kann uns dieses Phänomen beispielsweise auch in der FMEA weiterhelfen? Findet sich auch für die FMEA eine Inspiration in der Natur, wo Tausende von Ameisen oder Termiten erstaunliche Dinge zustande bringen? Gerade eine ausführliche FMEA besteht aus vielen verschiedenen Einzelelementen, komplexen Zusammenhängen und wird durch viele Individuen erstellt. Um hier erneut den Grundsatz der Schwarmintelligenz zu bemühen, die FMEA als Ganzes ist sicherlich mehr als die Summe Ihrer Teile!

Schwarmintelligenz in der FMEA

Doch inwieweit lässt sich dieses Phänomen auf die FMEA übertragen? Schauen wir uns einmal die Spalten im FMEA Formblatt an. Schnell fällt auf, daß der Input der verschiedenen Felder von verschiednenen Personen mit jeweils verschiedenen Funktionen und Aufgaben kommt.

Schwarmintelligenz in der FMEA nutzen! 1

Allein schon aus dieser groben Übersicht geht eine Zusammenarbeit zwischen Projektleitern, QM-Verantwortlichen, Bauteil- und Prozessverantwortlichen, Mitarbeitern aus der Arbeitsvorbereitung sowie den Testabteilungen hervor. Individuen verschiedener Fachabteilungen mit unterschiedlichen Anforderungsprofilen sollen zu hochkomplexen Sachverhalten zusammenarbeiten. Wie oft das in der Praxis schiefgeht und nicht den gewünschten Erfolg bringt, wissen wir alle. Doch wie schafft man es, in diese zähen und von Kontroversen durchsetzten FMEA Erstellungen und Moderationen eine zügige und effektive Zusammenarbeit auf Basis von Grundzügen der Schwarmintelligenz zu etablieren?

Ein möglicher Ansatz könnte sein, die FMEA Teammitglieder dazu zu bringen, nicht bereits mit einer vorgefassten Meinung zu den Sitzungen zu erscheinen, nicht nur das zu hören, was sie wollen und andere zur Zustimmung zu drängen. Erinnern Sie sich an intensive Diskussionen zur Festlegung der Bedeutungszahl für eine RPZ? Bitten Sie das nächste Mal Ihre Mitarbeiter alle Möglichkeiten zu benennen, eine Zeit lang mit allen Ideen zu spielen – und dann geheim abzustimmen. Das Team nimmt sich so ausreichend Zeit alle Aspekte zu diskutieren, und am Ende setzt sich die besten Lösung durch. Das ist das Reizvolle an der Schwarmintelligenz: Egal, ob bei Ameisen, Bienen oder FMEA Teams, immer addieren sich Aspekte individuellen Verhaltens in der Gruppe – dezentrale Lenkung, Reaktion auf Nachbarn, einfache Regeln – zu einer smarten Strategie, die hilft, komplexe Situationen zu bewältigen.