Affinitätsdiagramm


Das Affinitätsdiagramm oder engl. affinity map dient dazu, große Mengen an verbalen Daten oder Informationen auf wesentliche Aspekte zu reduzieren und somit zu sortieren und zu gruppieren; bislang verborgene Zusammenhänge und Ähnlichkeiten können so besser entdeckt werden. Somit wird diese Methode auch häufig verwendet, um Zusammenhänge zwischen Problemen und deren Ursachen zu visualisieren.

Einleitung

Um ein Problem besser zu verstehen oder eine Fragestellung umfassend beurteilen zu können, wird im Team oft eine große Anzahl an subjektiven Daten (Ideen, Meinungen, Lösungsansätze, etc.) erarbeitet.

Dies geschieht oft unter Einsatz von Kreativitätstechniken, wie z.B. Brainstorming oder der Metaplantechnik; die gefundenen und durchaus auch relevanten Informationen liegen allerdings auch fast immer in ungeordneter Form vor und sind damit oft auch nur sehr schwer überschaubar.

Motivbild Affinitätsdiagramm

 

Das Affinitätsdiagramm hilft dabei, die vorliegenden Informationen zu sortieren und zu verdichten. Die so entstandenen Informationscluster dienen als Grundlage für eine weiter Auseinandersetzung und Bearbeitung der Problem- oder Fragestellung.

Das wichtigste Gruppierungskriterium ist dabei die inhaltliche Verwandtschaft der einzelnen Daten, die sog. Affinität zueinander. Hieraus können dann ggf. Muster und Beziehungen zwischen unterschiedlichen Elementen abgeleitet werden; diese sind sofern vorhanden im Affinitätsdiagramm leichter zu bemerken als in unstrukturierten Datensammlungen.

Vorgehensweise

Ein Affinitätsdiagramm ermöglicht die Ordnung von chaotisch vorliegenden Daten; sobald also zu einem Thema eine ungeordnete und schwer überschaubare Anzahl von Aussagen vorliegt, kann das Affinitätsdiagramm genutzt werden, um übergreifende Ideen und Zusammenhänge aufzufinden oder die einzelnen Ideen, Fakten und Meinungen unter generellen Begriffen oder Überschriften zusammenzufassen.

Schon allein durch die neu entstandenen Oberbegriffe ergibt sich bereits ein erstes neues Verständnis über Zusammenhänge und Themenschwerpunkte. Zudem offenbart sich, was unter den jeweiligen Einzelbeiträgen im Team verstanden wird; sprachliche Unklarheiten und Missverständnisse werden beseitigt (Kommunikationshürden).

Zuerst muss aber das Thema oder die zugrundeliegende Fragestellung (idealerweise) von einem Moderator klar und einfach formuliert werden. Den Regeln des Brainstormings folgend, schreiben die Teilnehmer alles auf, was Ihnen spontan zur Frage- oder Problemstellung einfällt.

Anschließend werden die einzelnen Beitragskarten an eine Tafel geheftet und das ganze Team bestimmt dabei, welche Karten inhaltlich zusammengehören und zu einem Informationscluster gruppiert werden können; Einzelkarten ohne relevanten Überbegriff sind dabei ebenfalls möglich und willkommen.

Affinitätsdiagramm Beispiel

 

Es gilt zu beachten, dass es oft durchaus mehrere Möglichkeiten für Überschriften und Oberbegriffe, für die Zuordnung einzelner Beiträge oder die einzelnen Formulierungen gibt; dies kann vom Moderator zielführend gesteuert werden.

Als Ergebnis bildet jeder dieser Informationscluster im fertigen Affinitätsdiagramm einen bestimmten Denk- oder Lösungsansatz. Darüber hinaus bietet die derartige Visualisierung der gesammelten Daten und Informationen den Vorteil, dass es ein überschaubares Bild erzeugt und dadurch ggf. Verständnisprobleme auflöst.

Schritt-für-Schritt Vorgehen

 1. Schritt: Die Problemformulierung

Das Team einigt sich auf das zu betrachtende Thema und formuliert schriftlich eine einfache Problem- oder Fragestellung. Das gewählte Thema sollte nicht zu komplex erscheinen und idealerweise ist ein methodenkompetenter Moderator zur Steuerung und für Methodenfragen verfügbar.

2. Schritt: Generierung von Beiträgen und Ideen

Das Team als Gruppe oder jeder Teilnehmer für sich erarbeiten durch Brainstorming oder andere Kreativitätstechniken (s. dort) relevante Beiträge oder Ideen zur vorgestellten Frage- oder Problemstellung. Hier sollte zur besseren Lesbarkeit und weiteren Verwendung jeweils nur ein Gedanke pro Beitragskarte oder Post-It notiert werden. Erfahrungsgemäß eigenen sich ausformulierte Aussagen besser als Einzelbegriffe.

3. Schritt: Gruppieren der Ideen zu Informationsclustern u. Bilden von Oberbegriffen

Durch lautes vorlesen sortiert das Team gemeinsam alle Beiträge zu bestimmten Informationsgruppen, d.h. diese werden strukturiert und thematisch zusammengefasst. Entweder bildet eine Karte dabei einen völlig neuen Aspekt oder passt inhaltlich zu einer bereits hängenden Karte.

Schon jetzt können dafür auch zu den jeweiligen Gruppen generelle oder abstrakte Oberbegriffe bzw. Überschriften gesucht und über die entstehenden Infogruppen gelegt werden; Einzelkarten ohne Gruppenbezug (einsame Wölfe) können dabei ein eigenes Schlagwort oder eine eigene Überschrift bilden.

Die Überschrift kann dabei auch ein ganzer Satz oder eine längere Beschreibung sein, welche die Inhalte aller Beitragskarten gut beschreibt. Hierfür sollte vom Moderator ausreichend Zeit eingeplant werden; gerade die Auseinandersetzung und Diskussion über die Generalisierung der Inhalte kann wertvolle neue Ideen und Sichtweisen bieten.

4. Schritt: Gewichten der Informationscluster

Wenn es für die weitere Arbeit mit den hier gewonnenen Ergebnissen sinnvoll erscheint, kann nun auch beispielsweise auch eine Punkteabfrage die Gewichtung der einzelnen Beitragsgruppen aufzeigen. Wichtig ist hierbei, es werden lediglich die ganzen Infogruppen bewertet, nicht die einzelnen Beiträge darin.

Exkurs

Affinitätsdiagramme folgen den Regeln des Brainstormings und basieren auf den Grundlagen der KJ-Methode. Dies wurde entwickelt vom japanischen Autor und Kultur-Anthropologen Jiro Kawakita und ist auch unter dem Namen KJ-Methode oder Pinnwandmoderation Teil der sieben Managementtechniken (seven new tools).

Nutzen der Methode

Vorteile:

  • Es entsteht eine strukturierte Sammlung von Ideen oder Fakten, die zur Informationsverdichtung führt.
  • Die Methode eignet sich besonders für das Untersuchen von Sachverhalten und Problemstellungen, für das Sammeln von Lösungsansätzen und für logische Zusammenstellungen.
  • Ähnliche problembeschreibende Informationen werden zusammengefasst; große Menge an Daten und Ideen kann vereinfacht werden.
  • Durch strukturiertes Arbeiten mit Karten werden auch weniger extrovertierte Mitarbeiter gut in den Prozess einbezogen.
  • Das Vorgehen regt die Kreativität an und fördert ungewöhnliche Ideen, weil neben Fakten auch Meinungen und Intuitionen vorgetragen werden können.
  • Komplexe Zusammenhänge werden auch über die Grenzen des Teams hinweg „kommunizierbar“.

Nachteile:

  • Alle gefundenen Ergebnisse sind subjektiv und vom jeweiligen Team abhängig.
  • Es ist fast immer eine Diskussion zur Konsensbildung notwendig.
  • Ein erfahrener Moderator steuert den Prozess und achtet darauf, dass die Ausgangsfrage der Problemstellung nicht zu komplex ist.
  • Je mehr Daten und Beitragskarten erstellt werden, desto großer fällt der Zeitaufwand für das Affinitätsdiagramm aus.

 Literaturempfehlung

  • Katherine Courage, Kathy Baxter: Understanding Your Users / A Practical Guide to User Requirements Methods, Tools, and Techniques. Elsevier Inc., 2005, ISBN 1-55860-935-0, Affinity Diagrams, S. 714–721.

 

Methodenskript Affinitätsdiagramm

(Zum Download des Methodenskripts nutzen Sie den vorletzten Button in der PDF Menüzeile)

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