KVP – keine Frage der Vorsätze


Bereits 2013 habe ich zwischen den Jahren einen Artikel zu einem ähnlichen Thema verfasst. Damals ging es vor allem darum, wie die uns bekannten guten Vorsätze zu Neujahr nachhaltig gestaltet werden können, damit sie nicht innerhalb weniger Tage wieder verworfen werden. Die von mir vorgestellte Lösung war die Schaffung von Gewohnheiten und Routinen. Heute möchte ich einen weiteren Ansatz vorstellen, welcher mir unlängst in einem älteren Blog-Beitrag von Scott Adams (Schöpfer der Dilbert Comicreihe) begegnete und als Grundlage einfach die Vorsätze und Zielsetzungen an sich abschaffen will. Sollte ihre spontane Reaktion jetzt ein vehementes Kopfschütteln sein, so teilen Sie ganz genau meine Reaktion, als ich diesen Ansatz zum ersten Mal kennenlernte.

Die Neumodigkeit besteht nicht etwa darin, sich überhaupt keine Ziele mehr zu setzten und somit auch keine mehr zu verfehlen. Aufgelöst wird es dadurch, anstatt der Ziele (deren Erreichung ja teilweise gar nicht dem eigenen Einfluss unterliegt!) einen anderen Modus zu definieren. En Detail geht es also nicht darum, kein Ziel mehr zu definieren, sondern eine Systematik zu schaffen, welche erst eine Erfüllung der vorgegebenen Parameter ermöglicht. Das Ziel dient somit lediglich der Anpassung des zu installierenden Systems.

Vergleichen wir die Begrifflichkeiten nun und bilden den Begriff System auf einen Prozess ab, so ist es offensichtlich, dass hier ein enger Zusammenhang besteht.

Im Bereich des KVP und im weiteren Lean-Umfeld bestehen bereits Systematiken, welche es uns ermöglichen, die angepeilten Ziele zu erreichen. Beispielsweise zu nennen ist hier die Verbesserungs-Kata. Um die anvisierten Ziel-Zustände zu erwirken, werden dem PDCA-Zyklus folgende Versuche durchgeführt. Dabei erfahren die Mitarbeiter Unterstützung in der Verbesserungs-Kata, indem Ihnen die fünf Fragen der Coaching-Kata gestellt werden. Der Coach benutzt also ein System von Fragetechniken, um dem Gecoachten zu helfen das selbst definierte Ziel zu erreichen.

Natürlich sind sowohl Gewohnheiten als auch Routinen bestimmte Systeme von Betätigungen und Einzelschritten, welche unter Umständen auch durch Trigger ausgelöst und damit auch automatisiert werden.

„Der schwierigste Weg, den der Mensch zurückzulegen hat, ist der zwischen Vorsatz und Ausführung.“

– Wilhelm Raabe

Es wird mir immer wieder die Frage gestellt, wie ich es denn schaffe, in einer solchen Regelmäßigkeit meine Artikel zu verfassen. Vielleicht wird es Sie jetzt nicht mehr überraschen, wenn ich sage, dass ich hierfür ebenfalls ein System verwende. Zum Beispiel schreibe ich Artikel überwiegend samstags oder sonntags; Themen und Ideen halte ich sofort fest und notiere die ersten Assoziationen dazu, da ich gemerkt habe, dass mir diese sonst oft verloren gehen. Ein weiterer Aspekt dieser Arbeitsweise ist eine begleitende Checkliste entlang des Veröffentlichungsprozesses (sollten Sie vereinzelt fehlerhafte Links, veraltete Bilder oder Ähnliches wahrgenommen haben, so dachte ich in diesen Fällen, es ginge auch ohne… ;-).

Zurzeit arbeite ich an einem System, welches mir helfen soll, Regelmäßigkeit in Podcasts zu etablieren, die ich mir für das Jahr 2015 vorgenommen habe. Allerdings merke ich, dass die vorausgesetzten Gewohnheiten noch nicht fehlerfrei funktionieren aufgrund der Tatsache, dass es etwas „Neues“ ist.

Zurück zu KVP-Systemen…

Wiederkehrende KVP-Runden mit den Mitarbeitern eines Bereichs sind ebenfalls ein System. Wobei hier mit Bereich die unterste Ebene gemeint ist, meist ein Teamleiter mit seinem Team. Typischerweise ist der Weg dabei bottom-up, d.h. von unten nach oben. In der Regel funktioniert der umgekehrte Weg nicht zuverlässig. Oft sind dies dann die Fälle, wenn KVP „verordnet“ wird, um beispielsweise die jährlichen Audits für eine ISO-Zertifizierung zu bestehen.

Der gute Vorsatz zu Jahresbeginn besteht somit nicht in dem Ziel: „Wir wollen einen KVP einführen.“, beziehungsweise in der Vorgabe des erwarteten Ziel-Zustands: „Wir haben dann einen KVP.“, sondern vielmehr in der Etablierung eines Systems, welches es ermöglicht den KVP als Denkweise anzunehmen und so zu leben, dass er diesen Namen auch verdient.