Hilfsmittel für eine neutrale Moderation #1: Die 6-Hut Methode


In vielen Bereichen organisierter Zusammenarbeit sind Arbeitsgruppen auf ein Mindestmaß an Führung und Anleitung angewiesen. Oft kommen hierfür gesondert qualifizierte Moderatoren zum Einsatz, KVP Moderatoren, FMEA Moderatoren, etc. Dem Moderator obliegt nicht nur die Organisation und Durchführung von Sitzungen, Workshops und Schulungen, vielmehr werden einem guten Moderator auch weitaus differenzierte Fähigkeiten abverlangt. Neben einem guten Einfühlungsvermögen, Methodenkompetenz, Erfahrung in soft-skills oder teilweise auch guter Fachkompetenz wird vom Moderator auch ein hohes Maß an Neutralität gefordert. Ein Moderator soll möglichst neutral sein!

Die Neutralität des Moderators

Stellen wir uns die Frage, wie und warum eine neutrale Haltung positiv auf die Bewältigung der Moderationsaufgaben wirkt. Ein neutraler Moderator…

  • gewichtet in der Findungsphase alle Redebeiträge gleich.
  • verfolgt in der Moderation keine eigenen Standpunkte.
  • beeinflusst nicht das Arbeitsergebnis durch übermäßige eigene Gewichtung.
  • ergreift a priori keine Partei und bevorzugt keine Argumente.
  • führt einen ergebnisoffenen Diskussionsansatz.

Wie uns allerdings die Soziologie lehrt, gibt es so etwas wie eine vollkommene Neutralität überhaupt nicht und auch schon recht einfache Beispiele in unglücklichen Moderationssituationen zeigen uns sehr schnell die Grenzen einer vielgerühmten Neutralität auf. Spätestens, wenn in der Moderation einem Lösungsansatz mit dem Totschlagargument entgegnet wird “Das geht nicht!”, kann der Moderator entweder sein Neutralitätsgebot brechen und eine fachliche Diskussion über Machbarkeit und Unvermögen beginnen oder er bedient sich einfacher und doch umso wichtiger Hilfsmittel der Moderation. Beispielsweise findet sich im sprichwörtlichen Werkzeugkasten neben vielen weiteren auch die 6-Hut-Methode.

Hilfsmittel 6-Hut Methode

Definition

Die 6 Hut Methode oder Denkhüte von De Bono ist eine von Edward de Bono 1986 vorgestellte Kreativitätstechnik. Es handelt sich dabei um eine Gruppendiskussion, bei der Gruppenmitglieder durch verschiedenfarbige Hüte vordefinierte Rollen einnehmen. Jede Hutfarbe entspricht einer Denkweise oder einem Blickwinkel, etc. wodurch eine effiziente Diskussion über ein Thema erreicht werden soll und gleichzeitig kein Blickwinkel außer Acht gelassen wird. Die Denkhüte nutzen die menschliche Fähigkeit des Verstellens. Da alle Teilnehmer eine Rolle spielen, sind offenere Diskussionen möglich, als wenn jeder Teilnehmer „er selbst“ ist. Zudem stellt die Verteilung von Rollen sicher, dass alle wesentlichen Denkmodi für eine Entscheidung berücksichtigt werden. Wie bei den meisten Gruppentechniken ist eine Moderation angeraten. Insbesondere, wenn Gruppenmitglieder sich stark im Temperament und Orientierung (introvertiert, extrovertiert) unterscheiden, könnten Blickwinkel überbetont werden, weil die Rolle überstark repräsentiert wird.

Methodenblatt 6 Hut Methode

Ansatz für die Moderation

Die 6-Hut-Methode bietet den Teilnehmern aber auch dem Moderator die Möglichkeit in andere Rollen zu schlüpfen und Argumente und Lösungsansätze von einer anderen stereotypen Sichtweise zu betrachten. Diese sind bei der betrachteten Methode u.a. der Analytiker, der Emotionale, der Optimist, der Skeptiker, der Ordnende, der Kritische, der Emotionale, etc. Bedient sich der Moderator einer dieser stereotypen Rollen, erlaubt es Ihm die neutrale Rolle des Moderators beizubehalten, gleichzeitig aber auch durch geschickte Fragen aus der jeweiligen Rollensicht, die vorgebrachten Argumente und Standpunkte auf Plausibilität zu hinterfragen.

Fazit

Auch bei diesem Ansatz zeigt sich, wie wichtig und unerlässlich eine teilweise viel zu wenig beachtete Kernkompetenz des Moderators ist: die Fähigkeit, durch geschickte Fragestellungen ein Gespräch bzw. eine Besprechung neutral zu leiten und zu führen. Diese Fähigkeit kann intuitiv bereits gut ausgeprägt sein und bestimmte Personen verfügen bereits über einen angeborenen Spürsinn, die richtigen Fragen zu stellen. Für alle anderen gilt es, diese Fähigkeiten durch das Lernen bestimmter Fragetechniken zu erwerben! Jede Methode und jedes Hilfswerkezug bedient sich seiner eigenen spezifischen Fragestellungen und Fragetechniken.

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