Controlling

Controlling

 

Stand der Informationen: Juni 2024 – Inhalte regelmäßig geprüft und aktualisiert.

Definition: Controlling

Controlling ist ein umfassendes System zur Unterstützung von Führungskräften bei deren Planungs-, Steuerungs- und Kontrolltätigkeiten. Es bündelt Methoden, Prozesse und Werkzeuge, um unternehmensweite Ziele effizient umzusetzen und nachhaltige Wertschöpfung zu sichern. Controlling ist dabei nicht mit Kontrolle im engen Sinne gleichzusetzen, sondern versteht sich als steuernde, koordinierende und beratende Funktion im Management.[1]


Aufgaben & Kernfragen des Controllings

Planungsprozess

  • Sind die Ziele und erwarteten Wirkungen klar und operational definiert?
  • Sind die Ziele von den Beteiligten akzeptiert?
  • Entsprechen die angenommenen Voraussetzungen (Szenarien) der relevanten Umwelt?
  • Eignen sich die vorgesehenen Maßnahmen (Produkte, Projekte) zur Zielerreichung?
  • Sind die Maßnahmen im erforderlichen Umfang und detailliert genug durchgeplant?
  • Sind alle wichtigen Störfaktoren berücksichtigt?
  • Sind die Nutzen-Kosten-Verhältnisse akzeptabel?

Umsetzungsprozess

  • Ist organisatorisch Vorsorge dafür getroffen worden, dass die Führung den Umsetzungsprozess beherrschen kann?
  • Werden die geplanten Maßnahmen auch tatsächlich umgesetzt?
  • Funktioniert das Frühwarnsystem insbesondere des Berichtswesens, sodass Gegensteuerungsmaßnahmen rechtzeitig ergriffen werden können?
  • Wo liegen Schwerpunkte, wo Engpässe?

Kontrollprozess

  • Ist ausreichende Kontrolle organisatorisch sichergestellt?
  • Sind alle Kontrollen der Abläufe und alle Kontrolleinrichtungen wirtschaftlich?
  • Ist gewährleistet, dass Soll-Ist-Vergleiche angestellt und die Erkenntnisse an die richtigen Stellen gelangen sowie korrekt verarbeitet werden?

Typische Aufgaben des Controllings

  • Organisation der Informationsversorgung und Entwicklung eines fundierten Berichtswesens
  • Entwicklung und Pflege von Kennzahlen und Indikatoren
  • Zukunftsorientierte Auswertung von Informationen
  • Durchführung von Soll-Ist-Vergleichen und Analyse von Abweichungen
  • Erarbeitung von Vorschlägen für steuernde Eingriffe
  • Aufzeigen von alternativen Lösungswegen
  • Förderung der Koordination zwischen Abteilungen
  • Sicherstellung, dass Entscheidungen getroffen werden

Arten des Controllings

Zentrales und Dezentrales Controlling

In größeren Verwaltungen und Unternehmen werden oft eigene Controllingstellen eingerichtet. Hierbei wird unterschieden zwischen:

  • Zentrales Controlling: Unterstützt die Führung bei der Gesamtsteuerung der Organisation und konsolidiert Informationen für die oberste Leitung.
  • Dezentrales Controlling: Steht einzelnen Organisationseinheiten zur Verfügung und unterstützt deren interne Steuerung und Zielerreichung.

Strategisches vs. Operatives Controlling

  • Strategisches Controlling: Konzentriert sich auf längerfristige Aspekte der Ziel- und Aufgabenentwicklung sowie die Erfolgskontrolle auf Gesamtunternehmensebene. Typische Instrumente sind die Balanced Scorecard, Portfolio-Analysen und SWOT-Analysen. Diese helfen, die strategische Ausrichtung und Wettbewerbsfähigkeit zu sichern.
  • Operatives Controlling: Bezieht sich auf eine eher kurz- bis mittelfristige Perspektive und sorgt für die Steuerung der laufenden Prozesse im Rahmen der aktuellen Ziele. Wichtige Instrumente sind Kostenarten-, Kostenstellen- und Kostenträgerrechnung, Budgetierung und kurzfristige Erfolgsrechnung. Sie ermöglichen die detaillierte Steuerung des Tagesgeschäfts.

Der Controlling-Prozess im Überblick

  1. Planung: Festlegung von Zielen, Maßnahmen und Ressourcen
  2. Umsetzung: Initiierung und Überwachung der Maßnahmen
  3. Kontrolle: Abgleich von Soll- und Ist-Zustand (Soll-Ist-Vergleich), Analyse von Abweichungen
  4. Steuerung: Ableitung und Umsetzung von Korrekturmaßnahmen
  5. Berichtswesen: Dokumentation, Kommunikation und Visualisierung der Ergebnisse
Abbildung: Überblick über die Phasen des Controlling-Prozesses


Praxisbeispiel: Controlling in der Produktion

In einem mittelständischen Maschinenbauunternehmen wird durch den Aufbau eines operativen Controllingsystems sichergestellt, dass jede Produktionslinie monatlich Bericht erstattet. Ein zentrales Kennzahlencockpit erfasst Ausschussquoten, Anlagenverfügbarkeit und Durchlaufzeiten. Abweichungen werden frühzeitig erkannt, Maßnahmen zur Prozessoptimierung abgeleitet und die Umsetzung konsequent überwacht.

Durch die Kombination aus Echtzeit-Datenanalyse und transparentem Berichtswesen können Produktion und Management schnell auf Engpässe oder Qualitätsprobleme reagieren. Das erhöht die Effizienz, senkt Kosten und sorgt für eine nachhaltige Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit.

Erweiterter Praxisbezug: Der verantwortliche Controller stand vor der Herausforderung, dass eine einzelne Produktionslinie über mehrere Monate regelmäßig die Zielwerte für Anlagenverfügbarkeit unterschritt. Eine detaillierte Varianzanalyse zeigte, dass unerwartete Wartungsarbeiten und fehlende Ersatzteile die Hauptursachen waren. Durch die Einführung eines vorausschauenden Wartungsplans und die engere Abstimmung mit dem Einkauf konnten diese Engpässe reduziert werden. Nach drei Monaten zeigte das Reporting eine nachhaltige Verbesserung der Anlagenverfügbarkeit und eine deutliche Senkung der Ausschussquoten. Das Beispiel verdeutlicht, dass erfolgreiches Controlling nicht nur Kennzahlen erhebt, sondern gezielt in die Problemerkennung und -lösung eingebunden ist.


Pro & Contra: Controlling

Vorteile

  • Verbesserte Transparenz und Steuerungsfähigkeit
  • Frühzeitiges Erkennen von Risiken und Chancen
  • Systematische Unterstützung von Entscheidungen
  • Förderung der Zielerreichung und Effizienz

Nachteile

  • Erhöhter administrativer Aufwand
  • Gefahr der Bürokratisierung
  • Mögliche Überbetonung von Zahlen gegenüber weichen Faktoren
  • Abhängigkeit von Datenqualität und IT-Systemen

Vergleichstabelle: Controlling-Typen & Aufgaben

Gegenüberstellung zentral/dezentral & strategisch/operativ
Controlling-Typ Hauptaufgabe Zeithorizont
Zentrales Controlling Gesamtsteuerung, konzernübergreifende Koordination langfristig/mittel- bis langfristig
Dezentrales Controlling Unterstützung einzelner Bereiche/Abteilungen mittel- bis kurzfristig
Strategisches Controlling Schwerpunkt auf Zukunftsabsicherung, Wettbewerbsfähigkeit langfristig
Operatives Controlling Tagesgeschäft, laufende Steuerung und Optimierung kurz- bis mittelfristig

Innovationen im Controlling

Die fortschreitende Digitalisierung, der Einsatz von KI und fortschrittliche Datenanalyse (Predictive Analytics, Big Data) revolutionieren das Controlling. Moderne Systeme ermöglichen automatisierte Reports, interaktive Dashboards und die Simulation von Szenarien in Echtzeit. KI-gestützte Prognosemodelle ermöglichen es, zukünftige Entwicklungen mit höherer Präzision vorherzusagen und somit fundiertere Budgetentscheidungen zu treffen. Robotic Process Automation (RPA) automatisiert wiederkehrende Berichtsprozesse und entlastet Controller von Routineaufgaben.

  • Self-Service-BI für Fachabteilungen
  • Automatisierte Abweichungsanalysen & Alerts
  • Verknüpfung von Finanz- und Nachhaltigkeitskennzahlen im Reporting
  • Integration von ESG-Kriterien ins Performance-Controlling
  • KI-gestützte Prognosemodelle und Simulationen
  • Automatisierte Datenaggregation durch RPA


Rolle des Controllers & Kompetenzen

Der Controller nimmt eine zentrale Rolle als Berater, Informationsmanager und Steuerungspartner der Unternehmensführung ein. Neben fundierten Kenntnissen in Betriebswirtschaft und Datenanalyse sind heute auch digitale Kompetenzen, Kommunikationsstärke und strategisches Denken gefragt.

  • Fachliche Kompetenzen: Rechnungswesen, Kostenrechnung, Datenanalyse, Methodenkompetenz
  • Digitale Skills: Umgang mit BI-Tools, Datenbanken, Reporting-Tools, Automatisierungslösungen
  • Soziale Kompetenzen: Kommunikationsstärke, Konfliktlösung, Überzeugungsfähigkeit
  • Analytische Denkweise, Systemverständnis und Innovationsgeist

Die Rolle des Controllers hat sich durch die Digitalisierung spürbar erweitert: Neben klassischen Aufgaben der Ergebnis- und Kostenkontrolle gewinnen Themen wie Daten-Governance, IT-Sicherheit und Prozessautomatisierung an Bedeutung.


Controlling in verschiedenen Branchen & Unternehmensgrößen

Controlling ist in nahezu allen Organisationen wichtig, aber die Schwerpunkte unterscheiden sich:

  • Industrie und Produktion: Fokus auf Produktionskennzahlen, Effizienz, Ausschussquoten
  • Handel: Steuerung von Lagerbeständen, Margen, Umschlagshäufigkeit
  • Dienstleistung: Projektcontrolling, Auslastung, Kundenbindung
  • Start-ups: Liquiditätsplanung, Investorenreporting, schnelles Reagieren auf Veränderungen
  • Non-Profit-Organisationen: Budgetcontrolling, Wirkungscontrolling

In Großunternehmen sind Controllingsysteme meist komplex und stark standardisiert, während kleine und mittlere Unternehmen oft pragmatischere und flexiblere Lösungen wählen.


Die Beziehung zwischen Controlling & anderen Unternehmensbereichen

Controlling agiert selten isoliert. Es arbeitet eng mit Bereichen wie Finanzen, Produktion, Marketing, Vertrieb und Personal zusammen. Gute Zusammenarbeit ist entscheidend, da Controlling die relevanten Informationen bereitstellt und hilft, abteilungsübergreifende Ziele zu erreichen.

  • Mit der Produktion: Gemeinsame Analyse von Produktionsdaten für Prozessoptimierung
  • Mit dem Marketing: Bewertung der Wirtschaftlichkeit von Kampagnen
  • Mit dem Personalwesen: Unterstützung bei Personalbedarfsplanung und Personalkostenmanagement
  • Mit IT-Abteilung: Entwicklung von Reporting- und Analysesystemen

Ethische Aspekte & Daten-Governance im Controlling

Der verantwortungsvolle Umgang mit Daten ist essenziell im modernen Controlling. Controller müssen sicherstellen, dass Datenschutz, Transparenz und ethische Standards eingehalten werden. Manipulation von Berichten, bewusste Fehlinformation oder Ausnutzung von Informationsasymmetrien untergraben das Vertrauen in Controlling und können wirtschaftliche und rechtliche Schäden verursachen.

  • Einhaltung von Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) und interner Compliance-Regeln
  • Etablierung von Daten-Governance-Strukturen und klaren Berechtigungen
  • Transparente Dokumentation aller Analysen und Berichte
  • Regelmäßige Schulung zu ethischen Fragestellungen in der Datenverarbeitung

FAQ – Häufige Fragen zum Controlling

Was ist Controlling und wie unterscheidet es sich von Kontrolle?

Controlling umfasst die Planung, Steuerung und Kontrolle sowie die Unterstützung des Managements durch Informationsversorgung. Kontrolle ist lediglich ein Teilbereich davon.

Welche Hauptaufgaben übernimmt das Controlling?

Das Controlling organisiert die Informationsversorgung, entwickelt Kennzahlen, analysiert Abweichungen und unterstützt die Entscheidungsfindung.

Was ist der Unterschied zwischen strategischem und operativem Controlling?

Strategisches Controlling ist langfristig ausgelegt und sichert die Wettbewerbsfähigkeit, während operatives Controlling sich auf das Tagesgeschäft konzentriert.

Wie unterstützt Controlling die Zielerreichung?

Es stellt sicher, dass Ziele klar definiert, Maßnahmen effektiv umgesetzt und Abweichungen rechtzeitig erkannt werden.

Welche Kennzahlen sind im Controlling besonders wichtig?

Typische Kennzahlen sind Umsatz, Gewinn, Kosten, Cashflow, aber auch Prozesskennzahlen wie Durchlaufzeit oder Fehlerquote.

Wie wird Controlling in der Praxis umgesetzt?

Durch regelmäßiges Reporting, Soll-Ist-Vergleiche, Abweichungsanalysen und die Ableitung von Steuerungsmaßnahmen.

Welche Rolle spielt die Digitalisierung im Controlling?

Sie ermöglicht Echtzeit-Analysen, automatisierte Reports und die Nutzung von KI für Prognosen und Entscheidungsfindung.

Was sind typische Herausforderungen im Controlling?

Datenqualität, Akzeptanz im Unternehmen, Abstimmungen mit Fachbereichen und der Umgang mit komplexen IT-Systemen.

Wie kann Controlling zur Innovationsförderung beitragen?

Durch Identifikation von Optimierungspotenzialen, Kosten-Nutzen-Analysen und Unterstützung bei der Ressourcenallokation für innovative Projekte.

Wie ist Controlling in die Unternehmensorganisation eingebunden?

Je nach Größe und Struktur gibt es zentrales und/oder dezentrales Controlling, meist als Stabs- oder Servicefunktion mit Berichtslinien an die Geschäftsführung.

Welche Kompetenzen braucht ein Controller heute?

Neben betriebswirtschaftlichem Know-how sind heutzutage digitale Kompetenzen, analytisches Denken, Kommunikationsfähigkeit und Prozessverständnis unabdingbar.

Wie unterscheiden sich die Aufgaben des Controllings nach Branche?

Während in der Produktion Kennzahlen wie Ausbringung und Ausschuss zentral sind, stehen im Handel Margensteuerung und im Dienstleistungssektor die Projektsteuerung im Fokus.

Wie wird Ethik im Controlling sichergestellt?

Durch klare Daten-Governance-Regeln, transparente Berichterstattung, regelmäßige Schulungen und Einhaltung gesetzlicher Rahmenbedingungen wie der DSGVO.


Glossar: Zentrale Begriffe im Controlling

Controlling

Ganzheitliches System zur Planung, Steuerung und Kontrolle betrieblicher Prozesse.

Strategisches Controlling

Langfristig ausgerichtete Steuerung zur Sicherung der Zukunftsfähigkeit und Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens.

Operatives Controlling

Fokussiert auf kurzfristige Ziele und die laufende Steuerung der betrieblichen Prozesse.

Soll-Ist-Vergleich

Vergleich von geplanten (Soll-) mit tatsächlich realisierten (Ist-) Werten zur Analyse von Abweichungen.

Kennzahl

Messgröße zur objektiven Bewertung von Leistungen, Prozessen oder Ergebnissen.

Berichtswesen

Systematische Sammlung, Aufbereitung und Weitergabe von Entscheidungs-relevanten Informationen.

Zentrales Controlling

Steuerungseinheit auf Unternehmens- oder Verwaltungsebene mit Überblick über alle Bereiche.

Dezentrales Controlling

Spezielle Controllingstellen, die einzelne Bereiche, Abteilungen oder Projekte unterstützen.

Frühwarnsystem

Instrumente und Methoden zur frühzeitigen Erkennung von Risiken oder Chancen.

Berichtslinie

Struktur der Informationsweitergabe und der Verantwortlichkeiten im Controlling.

Controller

Fachkraft im Unternehmen, die Controlling-Aufgaben verantwortet und als Partner der Führung agiert.

Daten-Governance

Regelwerk und Maßnahmen zur Sicherstellung von Datenqualität, Datenschutz und ethischer Datenverwendung.


Quellenangabe


Experten-Tipp & Handlungsempfehlung

Nutzen Sie die Potenziale eines modernen, transparenten Controllingsystems: Setzen Sie auf klare Strukturen, durchgängige Digitalisierung, barrierefreie Informationsaufbereitung und die Etablierung von Best Practices in der Informationsweitergabe. Fördern Sie die Akzeptanz aller Beteiligten durch regelmäßige Schulungen und stärken Sie das Verständnis für den Nutzen von Controlling. So schaffen Sie die Basis für nachhaltige Wertschöpfung, Innovationskraft und eine zukunftssichere Unternehmenssteuerung.

 

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