Prozessauftrag: Das digitale Rückgrat der chargenbasierten Fertigung
Der Prozessauftrag ist das digitale Herzstück jeder chargenbasierten Fertigung. Er fungiert als verbindlicher Arbeitsplan, der alle notwendigen Informationen – von Rohstoffen über Prozessschritte bis zu Qualitätsprüfungen – bündelt, um ein Produkt nach exakter Rezeptur herzustellen. Aus der Praxis: Ein unvollständig freigegebener Prozessauftrag für eine Pharma-Charge führte zu einer Produktionsverzögerung von acht Stunden, da eine kritische Rohstoffcharge im System noch gesperrt war. Dies verdeutlicht die unmittelbare operative Relevanz.
Eine präzise, systemgestützte Prozessauftragssteuerung kann die Chargenabweichung um bis zu 15 % reduzieren und die Ressourcenauslastung signifikant verbessern. Ohne ihn wären eine lückenlose Rückverfolgbarkeit und konstante Produktqualität in Branchen wie der Lebensmittel-, Pharma- oder Chemieindustrie undenkbar.
Was ist ein Prozessauftrag? Eine praxisnahe Definition
Ein Prozessauftrag ist ein zentrales Steuerungsinstrument in der Prozessfertigung, das die detaillierte Planung, Durchführung und Dokumentation der Herstellung einer spezifischen Produktmenge (einer Charge) vorschreibt. Er verknüpft ein übergeordnetes Planungsrezept mit konkreten Materialkomponenten, Mengen, Terminen und den benötigten Ressourcen (z. B. Anlagen, Personal). [1]
Im Gegensatz zum Fertigungsauftrag der diskreten Fertigung, der sich auf Stücklisten und Arbeitspläne stützt, steuert der Prozessauftrag kontinuierliche oder chargenorientierte Abläufe. Er ist somit das entscheidende Element zur Umsetzung der Produktionsplanung in die tatsächliche Fertigung. Im SAP-Umfeld (Komponente PP-PI) wird der Lebenszyklus über Transaktionen wie COR1 (Anlegen), COR2 (Ändern) und CORS (Stornieren) gesteuert.
Welche Ziele und welchen Nutzen erfüllt der Prozessauftrag?
Der Prozessauftrag ist weit mehr als nur ein Arbeitsdokument. Er dient als Dreh- und Angelpunkt für Qualität, Effizienz und Nachvollziehbarkeit in der Produktion. Seine Hauptziele und der daraus resultierende Nutzen sind:
- Audit-sichere Rückverfolgbarkeit (Traceability): Gewährleistet die konforme Dokumentation nach Standards wie GMP (Good Manufacturing Practice) oder IFS (International Featured Standards), indem jede Materialbewegung und jeder Prozessparameter einer Charge zugeordnet wird.
- Sicherstellung der Produktqualität: Der Prozessauftrag gibt exakte Anweisungen und Soll-Werte vor, wodurch eine reproduzierbare und gleichbleibende Produktqualität über verschiedene Chargen hinweg gewährleistet wird.
- Quantifizierbare Kostenkontrolle: Ermöglicht eine exakte Abweichungsanalyse zwischen Plankosten (Soll) und Ist-Kosten auf Komponentenebene, was die Grundlage für den kontinuierlichen Verbesserungsprozess (KVP) darstellt.
- Effiziente Ressourcenplanung: Er legt fest, welche Anlagen, Maschinen (Ressource) und Mitarbeiter zu welchem Zeitpunkt benötigt werden, und bildet so die Grundlage für eine detaillierte Kapazitäts- und Belegungsplanung.
- Standardisierte Prozessdurchführung: Durch die klare Vorgabe von Arbeitsanweisungen und Prozessschritten werden Abläufe standardisiert und die Fehleranfälligkeit minimiert.
Der Prozessauftrag in 5 Schritten: Von der Planung bis zur Abrechnung
Die Abwicklung eines Prozessauftrags folgt einem standardisierten Lebenszyklus, der in der Regel durch verschiedene Status im ERP-System (z.B. SAP) abgebildet wird.
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Schritt 1: Erstellung
Ein Prozessauftrag wird entweder manuell angelegt oder automatisch aus einem Planauftrag der Bedarfsplanung (MRP) umgesetzt. In diesem Schritt werden das zu fertigende Produkt, die Menge, die Termine und das zugrunde liegende Planungsrezept festgelegt. Der Status ist typischerweise „EROF“ (Eröffnet).
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Schritt 2: Freigabe
Vor Produktionsbeginn muss der Auftrag freigegeben werden (Status „FREI“). Die Freigabe ist die Voraussetzung für die Buchung von Warenbewegungen und die Rückmeldung von Prozessdaten. Oft ist sie an eine vorherige Materialverfügbarkeitsprüfung gekoppelt.
Praxistipp: Die automatisierte Materialverfügbarkeitsprüfung vor der Freigabe ist ein kritischer Prozessschritt, um Produktionsstopps durch fehlende Komponenten zu vermeiden.
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Schritt 3: Durchführung und Materialbuchung
In der Produktion werden die im Auftrag reservierten Materialkomponenten verbraucht (Warenentnahme) und die Prozessschritte gemäß den Vorgaben durchgeführt. Der Wareneingang der gefertigten Charge wird ebenfalls auf den Auftrag gebucht.
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Schritt 4: Rückmeldung und Abschluss
Nach Beendigung der Produktion werden die tatsächlich verbrauchten Mengen, Zeiten und erbrachten Leistungen an den Auftrag zurückgemeldet. Sobald alle Rückmeldungen erfolgt sind, wird der Auftrag technisch abgeschlossen (Status „TABG“), was weitere Buchungen verhindert.
Stolperfalle: Verzögerte oder ungenaue manuelle Rückmeldungen verfälschen die Bestandsführung und die Nachkalkulation. Eine Anbindung an ein Manufacturing Execution System (MES) sorgt hier für Datenintegrität in Echtzeit.
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Schritt 5: Abrechnung
Im letzten Schritt werden die gesammelten Ist-Kosten des Auftrags an die entsprechenden Kostenstellen oder Ergebnisobjekte im Controlling abgerechnet. Damit ist der Lebenszyklus des Prozessauftrags beendet und er wird kaufmännisch geschlossen.
Prozessauftrag vs. Fertigungsauftrag: Wo liegen die Unterschiede?
Obwohl beide Auftragsarten die Produktion steuern, sind sie auf fundamental unterschiedliche Fertigungstypen ausgelegt. Die folgende Tabelle stellt die wesentlichen Unterschiede gegenüber. [2]
| Merkmal | Prozessauftrag (Prozessindustrie) | Fertigungsauftrag (Diskrete Fertigung) |
|---|---|---|
| Grundlage | Planungsrezept & Ressourcen | Stückliste & Arbeitsplan |
| Produkteinheit | Charge (z. B. Liter, Kilogramm) | Stück (z. B. Auto, Schraube) |
| Ergebnis | Hauptprodukt, oft mit Kuppel- und Nebenprodukten | Definiertes Endprodukt, Ausschuss |
| Mengeneinheiten | Oft variable Einheiten (z. B. von Volumen zu Gewicht) | Feste Einheiten (Stück, Baugruppe) |
| Typische Branchen | Chemie, Pharma, Lebensmittel, Kosmetik | Automobil, Maschinenbau, Elektronik |
Integration in die Systemlandschaft (MES, LIMS, QM)
Der Prozessauftrag ist keine Insellösung. Seine volle Stärke entfaltet er erst im Zusammenspiel mit spezialisierten Systemen. Der Datenfluss zwischen dem ERP-System und der Produktionsebene ist entscheidend für die Datenintegrität.
MES (Manufacturing Execution System)
Das MES ist die Brücke zwischen der Planung im ERP und der realen Produktion. Der Prozessauftrag liefert die Soll-Vorgaben (Rezeptur, Mengen, Prozessparameter) an das MES. Das MES erfasst die realen Verbräuche, Maschinenlaufzeiten, Temperaturen und Drücke und meldet diese Ist-Daten in Echtzeit an den Prozessauftrag im ERP-System zurück.
LIMS (Laboratory Information Management System)
Prozessbegleitende Qualitätsprüfungen werden oft durch den Prozessauftrag ausgelöst. Ein Prüflos wird generiert und an das LIMS übermittelt. Im Labor werden Analysen (z.B. pH-Wert, Viskosität) durchgeführt, die Ergebnisse im LIMS dokumentiert und an den Prozessauftrag zurückgespielt. Die Freigabe der Charge hängt oft direkt von diesen Ergebnissen ab.
QM (Qualitätsmanagement)
Eng verknüpft mit dem LIMS, werden im QM-Modul des ERP-Systems formale Prüflose auf Basis des Prozessauftrags angelegt. Diese steuern, welche Prüfungen nach welchen Prüfplänen durchzuführen sind. Abweichungen und Sperrungen werden hier verwaltet und dokumentiert, was direkt den Status der Charge beeinflusst.
Regulatorische Anforderungen und Compliance
In regulierten Branchen ist der Prozessauftrag das zentrale Instrument zur Erfüllung strenger gesetzlicher Vorgaben. Er ist der Nachweis für eine kontrollierte und dokumentierte Herstellung.
- Pharma/Biotech: Hier ist der Prozessauftrag die Grundlage zur Einhaltung von GMP-Richtlinien (Good Manufacturing Practice). Jede Aktion, von der Einwaage eines Rohstoffs bis zur Freigabe durch den Produktionsleiter, muss dokumentiert sein. Die Anforderungen der FDA 21 CFR Part 11 an elektronische Aufzeichnungen und Signaturen müssen bei digitalen Freigabeprozessen zwingend erfüllt werden.
- Lebensmittelindustrie: Bei der Erfüllung von Standards wie IFS oder BRC spielt der Prozessauftrag die Hauptrolle. Er sichert die lückenlose Chargenrückverfolgbarkeit, die im Falle eines Produktrückrufs entscheidend ist, um den Schaden zu begrenzen und die Ursache schnell zu finden.
Kennzahlen (KPIs) zur Steuerung und Optimierung
Der Prozessauftrag ist eine Goldgrube für Daten zur Prozessoptimierung. Durch die Analyse der Auftragsdaten lassen sich wesentliche Kennzahlen (KPIs) ableiten, um die Effizienz und Qualität der Produktion zu messen und zu verbessern.
| KPI | Beschreibung | Optimierungsziel |
|---|---|---|
| Plankosten-Istkosten-Abweichung | Vergleich der geplanten Kosten (aus dem Planungsrezept) mit den tatsächlich gebuchten Kosten. | Minimierung der Abweichung; Identifikation von Material- oder Ressourcen-Mehrverbrauch. |
| Termintreue (On-Time Delivery) | Anteil der Aufträge, die zum geplanten Endtermin oder früher abgeschlossen wurden. | Maximierung der Termintreue (Ziel > 98%) zur Sicherstellung der Lieferfähigkeit. |
| Ausbeute (Yield) | Verhältnis der produzierten Gutmenge zur eingesetzten Gesamtmenge der Rohstoffe. | Maximierung der Ausbeute; Reduzierung von Verlusten im Prozess. |
| Chargenzykluszeit | Gesamtdauer von der Auftragseröffnung bis zum technischen Abschluss des Auftrags. | Reduzierung der Durchlaufzeit zur Erhöhung der Flexibilität und Reduzierung von Kapitalbindung. |
Praxisbeispiele: Prozessaufträge in der Anwendung
Die Theorie wird am besten durch konkrete Anwendungsfälle aus verschiedenen Branchen verständlich.
Fallstudie 1: Herstellung einer Joghurt-Charge (Lebensmittel)
Ein Molkereiunternehmen plant die Produktion einer neuen Charge Erdbeerjoghurt. Dazu wird im ERP-System ein Prozessauftrag erstellt.
- Produkt & Menge: 5.000 Liter Erdbeerjoghurt
- Planungsrezept: „Rezept Joghurt Erdbeer V2.1“
- Materialkomponenten:
- 4.000 Liter Rohmilch (Charge A)
- 500 kg Erdbeerzubereitung (Charge B)
- 50 Liter Joghurtkulturen (Charge C)
- 450 kg Zucker (Charge D)
- Ressourcen: Pasteurisierungsanlage P1, Fermentationstank T5, Abfüllanlage F2
- Prozessschritte & CCP: Der Auftrag enthält detaillierte Anweisungen wie „Milch auf 90°C erhitzen“ und „Kulturen bei 42°C zugeben“. Ein Kritischer Kontrollpunkt (CCP) ist definiert: Nach 6 Stunden Fermentation wird eine pH-Wert-Messung durchgeführt. Das Ergebnis (Soll-Wert: 4,5-4,6) wird direkt im Prozessauftrag dokumentiert. Bei Abweichung wird der Prozess gestoppt und eine definierte Korrekturmaßnahme ausgelöst.
Ergebnis: Während der Produktion werden die Verbräuche der einzelnen Chargen (A, B, C, D) und die Maschinenstunden auf den Prozessauftrag gebucht. Am Ende wird der Wareneingang der fertigen Joghurt-Charge verbucht, was eine lückenlose Rückverfolgung gemäß IFS-Standard ermöglicht.
Fallstudie 2: Produktion eines Wirkstoffs (Pharma)
Ein Pharmaunternehmen stellt eine Charge eines sensiblen Wirkstoffs (API) her. Der Prozessauftrag ist hier das zentrale Element des elektronischen Herstellprotokolls (eBR).
- Problemstellung: Hoher manueller Dokumentationsaufwand und Risiko von Fehlern bei der Einhaltung der GMP-Vorgaben. Die Chargenfreigabe dauerte bisher bis zu 10 Tage nach Produktion.
- Vorgehen: Implementierung einer MES-Anbindung. Der Prozessauftrag steuert nun nicht nur die Materialflüsse, sondern auch die auszuführenden Arbeitsschritte direkt an den Terminals der Anlagen. Jede Aktion (z.B. Einwaage, Probenahme) wird vom Mitarbeiter per Scan und PIN-Eingabe quittiert (elektronische Signatur nach FDA 21 CFR Part 11).
- KPIs & Ergebnis:
- Reduzierung der Dokumentationszeit: von 8 Stunden manuell auf 1 Stunde automatisiert pro Charge.
- Beschleunigung der Chargenfreigabe: von 10 Tagen auf 2 Tage durch „Review by Exception“.
- Fehlerrate bei der Dokumentation: Reduktion um 95%.
Fazit: Der digitalisierte Prozessauftrag sicherte nicht nur die GMP-Compliance, sondern führte innerhalb von 12 Monaten zu einer signifikanten Effizienzsteigerung und schnelleren Marktfreigabe der Produkte.
Herausforderungen und Lösungsansätze
Die erfolgreiche Steuerung mit Prozessaufträgen erfordert Sorgfalt und gut gepflegte Daten. Hier die typischen Herausforderungen und bewährte Lösungsansätze:
- Herausforderung: Fehlerhafte Stammdaten
- Veraltete Planungsrezepte oder falsche Ressourcendaten führen zu Produktionsfehlern und falschen Materialreservierungen.
- Lösungsansatz: Implementierung eines regelmäßigen Stammdaten-Audits (z. B. halbjährlich) und eines Vier-Augen-Prinzips bei der Anlage und Änderung von Rezepten. Definieren Sie klare Verantwortlichkeiten (Data Ownership).
- Herausforderung: Umgang mit Schwankungen
- Natürliche Schwankungen bei Rohstoffen können zu variablen Ausbeuten führen. Diese Abweichungen müssen im System korrekt erfasst und analysiert werden.
- Lösungsansatz: Nutzen Sie die Funktionalität der wirkstoffbasierten Abrechnung, falls Ihr ERP-System dies unterstützt. Erfassen Sie Abweichungen systematisch und nutzen Sie die Daten für die Prozessoptimierung (KVP).
- Herausforderung: Mangelnde Echtzeit-Rückmeldungen
- Verzögerte oder ungenaue manuelle Rückmeldungen aus der Produktion verfälschen die Lagerbestände und die Auftragsnachkalkulation.
- Lösungsansatz: Die Anbindung an ein MES (Manufacturing Execution System) ist hier die nachhaltigste Lösung. Es sorgt für eine automatisierte, zeitnahe und fehlerfreie Datenerfassung direkt an der Maschine.
- Herausforderung: Komplexität bei Kuppelproduktion
- Wenn bei einem Prozess mehrere werthaltige Produkte entstehen (Kuppelprodukte), wird die Kostenverteilung auf dem Prozessauftrag anspruchsvoller.
- Lösungsansatz: Definieren Sie im Planungsrezept klare Aufteilungsregeln (Äquivalenzziffern), die die Kosten verursachungsgerecht auf Haupt- und Kuppelprodukte verteilen. Überprüfen Sie diese Regeln regelmäßig.
Glossar der wichtigsten Begriffe
- Charge
- Eine spezifische, unter gleichen Bedingungen hergestellte Produktionsmenge eines Materials, die als eine Einheit betrachtet und eindeutig identifizierbar ist.
- GMP (Good Manufacturing Practice)
- Richtlinien zur Qualitätssicherung der Produktionsabläufe und -umgebung in der Produktion von Arznei- und Lebensmitteln sowie Kosmetika und Futtermitteln.
- Kritischer Kontrollpunkt (CCP)
- Ein Punkt, Schritt oder eine Prozedur im Herstellungsprozess, an dem eine Steuerung möglich und entscheidend ist, um eine Gesundheitsgefahr zu vermeiden, zu eliminieren oder auf ein akzeptables Niveau zu reduzieren.
- Kuppelprodukt
- Ein Produkt, das zwangsläufig bei der Herstellung eines anderen (Haupt-)Produkts anfällt und ebenfalls einen wirtschaftlichen Wert besitzt.
- LIMS (Laboratory Information Management System)
- Ein Softwaresystem zur Verwaltung und Dokumentation von Proben, Analysen und Ergebnissen im Laborumfeld.
- MES (Manufacturing Execution System)
- Ein produktionsnahes Softwaresystem zur Steuerung und Überwachung der Produktion in Echtzeit. Es verbindet die ERP-Ebene mit der Prozessleitebene.
- Planungsrezept
- Ein Stammdatum in der Prozessindustrie, das die Zusammensetzung (Materialien) und den Herstellungsprozess (Phasen, Ressourcen) für ein Produkt beschreibt.
- Ressource
- Eine Produktionskapazität in der Prozessfertigung, z.B. eine Anlage, ein Tank, eine Fertigungslinie oder qualifiziertes Personal.
Häufig gestellte Fragen (FAQ) zum Prozessauftrag
Was ist der Hauptunterschied zwischen einem Prozessauftrag und einem Fertigungsauftrag?
Der Hauptunterschied liegt im Fertigungstyp: Der Prozessauftrag steuert rezepturbasierte, chargenorientierte Prozesse (z.B. Mischen, Kochen), während der Fertigungsauftrag stücklistenbasierte, diskrete Prozesse (z.B. Montieren, Bohren) steuert.
In welchen Branchen sind Prozessaufträge unverzichtbar?
Sie sind entscheidend in der Pharma-, Chemie-, Lebensmittel-, Getränke- und Kosmetikindustrie – überall dort, wo Produkte in Chargen nach festen Rezepturen hergestellt und lückenlos rückverfolgt werden müssen.
Warum ist die Chargenverfolgung so wichtig?
Sie ist entscheidend für die Qualitätssicherung und Produktsicherheit. Bei einem Qualitätsmangel oder einer Verunreinigung kann so gezielt die betroffene Charge identifiziert und vom Markt zurückgerufen werden, ohne die gesamte Produktion zu beeinträchtigen.
Wie hängt der Prozessauftrag mit dem Qualitätsmanagement zusammen?
Eng. Im Prozessauftrag können Prüflose für das Qualitätsmanagement (QM) integriert werden. So werden an definierten Prozesspunkten (z.B. nach der Fermentation) automatisch Qualitätsprüfungen ausgelöst.
Welche Rolle spielt SAP PP-PI in diesem Kontext?
SAP PP-PI (Production Planning for Process Industries) ist das führende Modul zur Abbildung von Prozessaufträgen in SAP-Systemen. Das Konzept des Prozessauftrags ist jedoch ein allgemeiner Industriestandard, der auch in anderen ERP-Systemen existiert.
Kann ein Prozessauftrag nach der Freigabe noch geändert werden?
Ja, in der Regel sind Änderungen wie Mengen- oder Terminanpassungen möglich, solange die Produktion noch nicht zu weit fortgeschritten ist. Dies hängt jedoch von den Systemeinstellungen und internen Prozessen ab.
Was passiert bei einer Abweichung vom Planungsrezept?
Abweichungen (z.B. höherer Materialverbrauch, längere Prozessdauer) müssen im Rahmen der Rückmeldung erfasst werden. Sie fließen in die Nachkalkulation ein und sind ein wichtiger Input für den kontinuierlichen Verbesserungsprozess (KVP).
Was ist der Unterschied zwischen einem Planungsrezept und einem Prozessauftrag?
Das Planungsrezept ist die allgemeingültige, neutrale Vorlage (Stammdatum), wie ein Produkt hergestellt wird. Der Prozessauftrag ist die konkrete, terminierte und mengenbezogene Anweisung zur Herstellung einer spezifischen Charge basierend auf diesem Rezept.
Was bedeutet der Status „technisch abgeschlossen“ (TABG)?
Dieser Status signalisiert, dass aus technischer Sicht alle Arbeiten am Auftrag beendet sind. Es können keine weiteren Materialbuchungen oder Rückmeldungen mehr erfolgen. Der Auftrag ist bereit für die kaufmännische Abrechnung.
Führt jeder Prozessauftrag immer zu genau einer Charge?
In den meisten Fällen ja. Es ist aber auch möglich, die in einem Prozessauftrag produzierte Menge auf mehrere Chargennummern aufzuteilen, falls dies prozesstechnisch erforderlich ist (z.B. Abfüllung in verschiedene Behälter).
Handlungsempfehlung: So meistern Sie den Prozessauftrag
Als Spezialisten für Prozessoptimierung und digitale Transformation in der Fertigungsindustrie betrachten wir den Prozessauftrag als das operative Rückgrat für Qualität und Effizienz. Der Erfolg hängt jedoch nicht vom ERP-System allein ab, sondern von der Symbiose aus exzellenten Daten, disziplinierten Abläufen und geschultem Personal. Unsere Empfehlung für eine meisterhafte Steuerung basiert auf drei Säulen:
- Datenintegrität als Fundament: Etablieren Sie rigorose Governance-Prozesse für Ihre Stammdaten, insbesondere Planungsrezepte und Ressourcen. Validieren Sie diese regelmäßig gegen die Realität in der Produktion.
- Prozessdisziplin in Echtzeit: Sorgen Sie für eine lückenlose und zeitnahe Erfassung aller relevanten Produktionsdaten. Die Anbindung eines MES ist hier kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit für verlässliche Kennzahlen.
- Mitarbeiterkompetenz als Treiber: Investieren Sie in das Verständnis Ihrer Teams für den gesamten Lebenszyklus des Prozessauftrags. Ein Mitarbeiter, der die kaufmännischen und qualitativen Auswirkungen seiner Buchungen versteht, agiert präziser.
Die konsequente Umsetzung dieser Prinzipien transformiert den Prozessauftrag von einem reinen Verwaltungsinstrument zu einem mächtigen Hebel für die kontinuierliche Verbesserung und sichert Ihre Wettbewerbsfähigkeit in einem anspruchsvollen Marktumfeld.
Quellenverzeichnis
- https://mind-logistik.de/knowhow/sap-pp-pi/ – Diese Quelle wurde ausgewählt, da sie die im Text behandelten Grundlagen des Prozessauftrags im Kontext von SAP PP-PI ausführlich darstellt. Sie bestätigt die zentrale Rolle von Planungsrezepten sowie den typischen Status-Lebenszyklus eines Auftrags, wie er im Artikel beschrieben wird.
- https://www.computerweekly.com/de/tipp/Der-Unterschied-zwischen-den-Produktionstypen-SAP-ERP-PP-PI-PP-SFC-und-PP-REM – Ich beziehe mich auf diesen Fachartikel, weil er eine klare und unabhängige Abgrenzung zwischen den verschiedenen Produktionstypen bietet. Er validiert die im Text vorgenommene Unterscheidung zwischen diskreter Fertigung und Prozessfertigung und unterstreicht die Notwendigkeit unterschiedlicher Steuerungsinstrumente.
Zuletzt geprüft: 2026-02-02T17:23:09Z
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Tihomir Milekovic
André Kapust
