Prüfen

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Prüfen – Definition, Ablauf & Schlüssel zur Qualitätssicherung

Prüfen stellt sicher, dass Produkte, Prozesse und Dienstleistungen Anforderungen erfüllen und Toleranzen einhalten. Es reduziert Ausschussraten um bis zu 15 % und vermeidet teure Nacharbeit, verbessert die Produktqualität und minimiert Kundenreklamationen nachhaltig.[1]

Stand: 2025

 

Definition

Englisch: verify, check, examine

Feststellung, ob ein Prüfgegenstand (Probe) die geforderten Merkmale aufweist, d. h. eine oder mehrere vereinbarte oder vorgeschriebene oder erwartete Bedingungen erfüllt; besonders, ob die vorgegebenen Fehlergrenzen oder Toleranzen eingehalten werden. Prüfen kann subjektiv durch Sinneswahrnehmung (Besichtigung) oder objektiv mit Meß- oder Prüfgeräten geschehen, die auch automatisch arbeiten können. Subjektives Prüfen führt meist nur zu einer einzigen qualitativen Angabe (gut oder schlecht). Objektives Prüfen erfolgt mit Prüfmitteln, d. h. mit Meßgeräten (Messen) und Lehren. Prüfen kann an Prüflosen, an jedem Einzelstück (stückweise Prüfung) oder stichprobenweise erfolgen. [2]

Nutzen & Ziele

  • Sicherstellung der Produkt- und Prozessqualität. [1]
  • Verhinderung von Fehlerfolgekosten wie Nacharbeit, Ausschuss und Rückruf.
  • Verifikation der Wirksamkeit von Korrekturmaßnahmen.
  • Rechtssicherheit und Einhaltung von Normen/Regulatorik (z. B. ISO 9001:2015, IATF 16949, CE-Kennzeichnung, Produkthaftungsgesetz).
  • Basis für kontinuierliche Verbesserung (KVP/Lean Management).

Outcome / Ergebnisarten

  1. Qualitativ (z. B. Gut / Schlecht) – meist bei subjektiven Prüfungen.
  2. Quantitativ (z. B. Maße, Werte, Cpk) – bei Messungen mit Prüfmitteln.
  3. Statistisch (z. B. Stichprobe mit Konfidenzintervallen).
  4. Dokumentiert (Prüfzeugnis, Prüfbericht, Messprotokoll).

Ablauf / Schritte beim Prüfen

Prüfen ist ein systematischer Prozess mit sieben Schritten, die eine strukturierte und nachvollziehbare Durchführung gewährleisten.[2]

  1. Prüfplanung: Festlegung von Prüfgegenstand, Merkmalen, Toleranzen und Akzeptanzkriterien sowie Stichprobengröße und Prüfmethoden.
  2. Prüfmittelauswahl und Kalibrierung: Auswahl geeigneter Prüfmittel und Sicherstellung der Messrückführbarkeit.
  3. Prüfvorbereitung: Bereitstellung von Prüfanweisungen, Montage der Prüfvorrichtungen und Vorbereitung des Arbeitsplatzes.
  4. Prüfung durchführen: Erfassung der Messwerte, Dokumentation von Abweichungen und Belegen.
  5. Bewertung: Vergleich der Ergebnisse mit den Akzeptanzkriterien, Freigabe oder Sperrung.
  6. Dokumentation und Maßnahmen: Abschluss des Prüfprotokolls, Meldung und Einleitung von Korrekturmaßnahmen.
  7. Überwachung und Wirksamkeitsprüfung: Nachverfolgung der Maßnahmen und kontinuierliche Prozessverbesserung.

Schritt-für-Schritt Anleitung: Prüfen durchführen

Praktische Handlungsempfehlung für Prüfpersonal zur präzisen, reproduzierbaren und dokumentierten Prüfung.

  1. Prüfplanung

    Definieren Sie den Prüfgegenstand, relevante Merkmale, Toleranzen und Akzeptanzkriterien. Legen Sie Stichprobengröße und Prüfmethoden fest.

  2. Prüfmittelauswahl & Kalibrierung

    Wählen Sie geeignete Messgeräte und Lehren aus. Dokumentieren Sie Kalibrierstatus, Rückführbarkeit und Messunsicherheit. [2]

  3. Prüfvorbereitung

    Bereiten Sie Prüfanweisungen vor, montieren Sie Prüfvorrichtungen und stellen Sie das Prüfprotokoll bereit.

  4. Prüfung durchführen

    Führen Sie die Prüfung gemäß Anweisung durch. Erfassen Sie Messwerte, dokumentieren Sie Abweichungen und fügen Sie gegebenenfalls Belege bei.

  5. Bewerten & Entscheiden

    Vergleichen Sie die Prüfergebnisse mit den Toleranzen. Entscheiden Sie über Freigabe, Nacharbeit oder Sperrung. Nutzen Sie statistische Methoden bei Stichproben (z. B. AQL, Cpk).

  6. Dokumentation & Maßnahmen

    Schließen Sie das Prüfprotokoll ab, melden Sie Abweichungen und leiten Sie Korrekturmaßnahmen ein. Überprüfen Sie deren Wirksamkeit.

Die Rolle der Prüfung in Qualitätsmanagementsystemen

Prüfen ist ein integraler Bestandteil zertifizierter Qualitätsmanagementsysteme. Die Norm DIN EN ISO 9001:2015 fordert im Kapitel 8.6 „Freigabe von Produkten und Dienstleistungen“ den Nachweis, dass Annahmekriterien erfüllt sind. Prüfaufzeichnungen dienen als objektive Belege und sind für Audits unerlässlich. Sie gewährleisten Rückverfolgbarkeit und ermöglichen datengestützte Entscheidungen zur kontinuierlichen Verbesserung (Kapitel 10.3).

Der Faktor Mensch: Schulung und Befähigung von Prüfpersonal

Der Erfolg von Prüfungen hängt maßgeblich von geschultem und befähigtem Personal ab—besonders bei subjektiven Prüfungen wie der visuellen Inspektion.

  • Regelmäßige Schulungen mit Grenzmusterkatalogen und Referenzteilen gewährleisten einheitliche Bewertungen.
  • Prüferqualifikation wird durch Messsystemanalysen (Attribut Agreement Analysis) objektiv überprüft.
  • Optimale Umgebungsbedingungen (Beleuchtung, Ergonomie, Lärm) erhöhen die Konzentration und Sicherheit.

Zukunft der Prüfung: KI, Predictive Quality und Digitalisierung

Digitale Technologien revolutionieren den Prüfprozess. KI-gestützte Computer-Vision-Systeme ermöglichen automatisierte 100%-Kontrollen mit hoher Genauigkeit und Geschwindigkeit.

Predictive Quality analysiert Prozessdaten in Echtzeit, um Fehler vorherzusagen und präventive Maßnahmen zu ermöglichen. So verschiebt sich der Fokus von reaktiver Fehlererkennung hin zu proaktiver Fehlervermeidung.

Vorteile & Nachteile

Vorteile

  • 🔼 Erhöhte Produktqualität und Kundenzufriedenheit. [1]
  • 🔼 Schnelles Erkennen von Prozessabweichungen zur Fehlervermeidung.
  • 🔼 Grundlage für Compliance, Audits und Zertifizierungen.

Nachteile / Grenzen

  • 🔽 Subjektive Prüfungen sind oft ungenau und inkonsistent. [2]
  • 🔽 Zeit- und kostenintensiv, insbesondere bei 100%-Kontrollen.
  • 🔽 Fehlende Prüfmittelfähigkeit (MSA) kann falsche Entscheidungen verursachen.

Herausforderungen & Typische Stolperfallen

  • Unklare Prüfkriterien führen zu schwankender Produktqualität und Kundenreklamationen.[2]
  • Nicht kalibrierte Prüfmittel verursachen systematische Fehler und können ganze Produktionschargen unbrauchbar machen.[2]
  • Mangelnde Dokumentation verhindert Rückverfolgbarkeit und erschwert Fehleranalysen.
  • Falsche Stichprobengrößen erhöhen das Risiko, fehlerhafte Lose fälschlicherweise als konform zu bewerten (Kundenrisiko).
  • Over-Inspection durch zu häufiges Prüfen ohne Prozessverbesserung erhöht Kosten unnötig.

Fallstudie / Praxisbeispiel

Beispiel: Stichprobenprüfung in der Serienfertigung eines Automobilzulieferers

Ausgangslage: Ein Automobilzulieferer verzeichnete eine Reklamationsquote von 2 % bei Schraubverbindungen aufgrund inkonsistenter Anzugsmomente.

Vorgehen: Implementierung einer stündlichen Stichprobenprüfung (n=5) nach AQL-Verfahren (DIN ISO 2859-1) und Einführung einer SPC-Regelkarte zur Echtzeitüberwachung des Drehmoments.

Ergebnis: Innerhalb von 12 Monaten sank die externe Fehlerquote um 45 % auf 1,1 %. Die internen Nacharbeitskosten reduzierten sich um 32 %, da Prozessabweichungen nun innerhalb von einer Stunde erkannt und korrigiert werden konnten. (Beispiel: Reduktion der Reklamationsquote von 2 % auf 1,1 %)

Vergleich: Prüfverfahren (vereinfachte Matrix)

3×3 Matrix: Prüfmethode vs. Genauigkeit vs. Einsatzfall
Prüfmethode Genauigkeit Typischer Einsatzfall
Visuelle Prüfung Grobe Kategorisierung (Gut/Schlecht) Oberflächenfehler, Erstkontrolle
Manuelles Messen (Messschieber) Mittlere Genauigkeit Maße, Bauteilvermessung
Automatische Inline-Messtechnik Hohe Genauigkeit & Repeatability 100%-Kontrolle in Hochleistungslinien

„Ein Prüfprotokoll ist kein Selbstzweck, sondern der datenbasierte Ausgangspunkt für jede Prozessverbesserung. Ohne valide Prüfdaten bleibt der KVP-Zyklus eine reine Vermutung.“

— Dr.-Ing. Sabine Winkler, Zertifizierte Qualitätsmanagerin (DGQ)

Quellenverzeichnis

  • isax.com: Qualitätskontrolle in der Produktion – Methoden & Beispiele
    Diese Quelle wurde gewählt, da sie anschaulich und praxisnah die Bedeutung von Prüfungen im Produktionsumfeld, den Nutzen der Qualitätskontrolle und die typischen Fehlerquellen erläutert. Die Formulierungen und Inhalte stimmen mit den in unserem Fachartikel dargestellten Grundprinzipien und Fallbeispielen überein und bieten zudem weitere kontextuelle Ergänzungen zur Rolle von Prüfungen im Qualitätsmanagement. [1]
  • testotis.ch: Fibel Prüfmittelmanagement und Kalibrierung (PDF)
    Diese Fachpublikation liefert eine umfassende, detailreiche und nachvollziehbare Darstellung der Definition von Prüfmitteln, Anforderungen an Messsysteme und große Teile des Prüfprozesses. Sie wurde gewählt, da zentrale Definitionen und zahlreiche Details zu Prüfprozess, Kalibrierung und Prüfmittelfähigkeit direkt wie im Artikeltext übernommen werden konnten. [2]

 

Handlungsempfehlung (Fazit & nächster Schritt)

Implementieren Sie ein risikobasiertes Prüfkonzept: kombinieren Sie MSA, geeignete Stichprobenpläne und automatisierte Prüfungen dort, wo es wirtschaftlich sinnvoll ist. Setzen Sie konsequent auf Dokumentation, Kalibrierung und kontinuierliche Analyse der Prüfresultate. Starten Sie mit einer Prüfmittelliste und einem MSA-Quick-Check als schnellen, wirkungsvollen Einstieg.

⏹️ Tipp: Beginnen Sie mit einer Priorisierung nach Fehlerauswirkung (FMEA) – geringe Investition, hoher Hebel.

 

 

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