QMA Auditor
Definition
Ein QMA Auditor (Quality Management Auditor) bewertet systematisch die Prozesse, Dokumentationen und Nachweise eines Qualitätsmanagementsystems (QMS) im Hinblick auf Anforderungen wie ISO 9001, IATF 16949 oder ISO 13485. Ziel ist die Prüfung der Wirksamkeit, Konformität und Risikobewertung, um erforderliche Maßnahmen zur Verbesserung abzuleiten[1].
Nutzen & Ziele (Output / Outcome)
- Nachweis der Normkonformität und Erfüllung gesetzlicher Anforderungen[1].
- Ergebnisorientierte Identifikation von Verbesserpotenzialen auf Prozess- und Systemebene zur Steigerung der Prozessstabilität.
- Erhöhung der Kundenzufriedenheit durch nachhaltige Qualitätsverbesserungen.
- Sicherstellung der Compliance von Lieferanten und internen Abläufen.
Ablauf / Schritte (How-To)
-
1. Planung & Scoping
Auditziele, -umfang, Auditteam, Auditkriterien und Zeitplan festlegen. Risiken und Schlüsselfelder werden systematisch identifiziert, z. B. durch Risikobewertung mittels FMEA oder Prozesskennzahlenanalyse[2].
-
2. Dokumentenprüfung
Relevante QM-Dokumente wie Qualitätsmanagement-Handbuch, Prozessbeschreibungen, FMEA und Prüfpläne sorgfältig sichten und mit festgelegten Auditkriterien abgleichen.
-
3. Durchführung vor Ort (Interviews & Beobachtungen)
Prozessverantwortliche werden interviewt, Arbeitsabläufe werden beobachtet und Aufzeichnungen geprüft. Stichproben werden gezielt zur Wirksamkeitsprüfung genutzt, etwa anhand von Prozesskennzahlen oder Audit-Trails[2].
-
4. Bewertung & Feststellung
Abweichungen, Nichtkonformitäten (kritisch, major, minor) sowie Beobachtungen werden dokumentiert und im Hinblick auf Schweregrad und Auswirkungen bewertet[2].
-
5. Abschlussbesprechung & Bericht
Die Ergebnisse werden in einer Abschlussbesprechung vorgestellt. Ein Auditbericht mit Nachweisen, Empfehlungen und Fristen wird erstellt, der als Grundlage für Maßnahmen dient[2].
-
6. Maßnahmenverfolgung (Follow-up)
Die Verantwortlichkeiten für Korrektur- und Vorbeugemaßnahmen sowie Wirksamkeitsnachweise werden überwacht und dokumentiert[2].
-
7. Management-Review & Kontinuierliche Verbesserung
Auditbefunde werden in das Management-Review integriert, um Verbesserungspotenziale nachhaltig im KVP zu verankern[2].
Kompetenzen & Anforderungen
- Fachliche Qualifikationen: Auditorenschulung gemäß ISO 19011, interne Auditorenkurse; anerkannte Zertifikate wie DGQ-Lead-Auditor Qualität oder zertifizierter Prozess-Auditor VDA 6.3[2].
- Methodenkompetenz: Anwendung spezifischer Audit-Techniken wie Turtle-Diagramm zur Prozessanalyse, Audit-Trail-Verfolgung von Anforderungen bis Nachweisen, Interviewführung und Risikobewertung.
- Persönliche Fähigkeiten: Neutralität, Kommunikationsstärke, analytisches Denken und Durchsetzungsvermögen.
- Branchenspezifisches Wissen: Kenntnis relevanter Prozesse und Regularien (z. B. Medizinprodukte, Automotive, Lebensmittel).
Vorteile & Nachteile
Vorteile
- Systematische, unabhängige Bewertung von QM-Prozessen zur Gewährleistung von Konformität[1].
- Früherkennung von Risiken und Schwachstellen im Produktions- und Managementprozess.
- Treiber für nachweisbare Verbesserungen und Einhaltung von Compliance-Vorgaben.
Nachteile
- Auditierung kann als bürokratisch empfunden werden, wenn keine gelebte Auditkultur existiert.
- Qualität der Ergebnisse ist stark abhängig von der Qualifikation und Methodensicherheit des Auditors.
- Interne Konflikte sind möglich, wenn Empfehlungen als nicht praktikabel wahrgenommen werden.
Herausforderungen & Typische Stolperfallen
- Unklare Auditkriterien oder Scope führen zu Missverständnissen und Fehlfokussierungen[2].
- Der Auditor prüft nur formale Schulungspläne, vernachlässigt jedoch die Verifikation der Umsetzung im Arbeitsalltag durch Mitarbeitergespräche.
- Ein interner Auditor aus der Entwicklungsabteilung bewertet seinen eigenen Prozess oft zu nachsichtig, anstatt objektiv Abweichungen zu benennen.
- Mangelndes oder fehlendes Follow-up von Korrekturmaßnahmen verhindert nachhaltige Verbesserungen.
Fallstudie / Praxisbeispiel
Audit bei einem Automobilzulieferer
Ausgangslage: Steigende Reklamationsraten im Wareneingang eines Automobilzulieferers führten zur Beauftragung eines QMA Auditors für einen prozessorientierten Auditansatz mit Fokus auf Wareneingang, Prüfmittel-Management und kritische Kontrollpunkte (CCPs).
Vorgehen: Während der Begehung der Wareneingangsprüfung fiel auf, dass für die Härteprüfung eines Zulieferteils zwar ein Prüfprotokoll vorlag, das Härteprüfgerät jedoch seit vier Monaten überfällig zur Kalibrierung war (Nichtkonformität 1). Im Interview mit dem Prüfpersonal stellte der Auditor fest, dass Prüfpläne die Kalibrierstatusprüfung nicht explizit als Pflicht vorsehen.
Ergebnis: Drei kritische Nichtkonformitäten und zehn Beobachtungen wurden dokumentiert. Die Prüfpläne wurden um eine obligatorische Prüfung des Kalibrierstatus vor Prüfbeginn ergänzt. Das Prüfpersonal erhielt gezielte Schulungen zum Prüfmittelmanagement. Zusätzlich wurde ein digitales Prüfmittelkalender-Tool eingeführt, um Kalibriertermine transparent zu verwalten.
Erfolg (Beispiel): Nach sechs Monaten stieg der First Pass Yield (FPY) um 4 Prozentpunkte, während die Reklamationsquote um 30 % sank[2].
Auditarten im Detail: System-, Prozess- und Produktaudit
Qualitätsaudits lassen sich je nach Schwerpunkt in drei zentrale Typen unterteilen:
- Systemaudit: Beurteilt die Gesamtwirksamkeit des Qualitätsmanagementsystems gemäß Normen wie ISO 9001. Es wird überprüft, ob alle Normforderungen erfüllt und dokumentiert sind.
- Prozessaudit: Fokussiert auf die Leistungsfähigkeit und Beherrschung einzelner Abläufe (z. B. nach VDA 6.3). Ziel ist die Risikoreduktion und Effizienzsteigerung innerhalb spezifischer Prozesse.
- Produktaudit: Prüft die Konformität des Endprodukts mit den spezifizierten Anforderungen anhand von Stichproben und Messungen.
Der risikobasierte Auditansatz nach ISO 9001:2015
Moderne QMA Auditoren planen Audits risikobasiert. Statt starrer Auditzyklen werden die Auditressourcen gezielt dort eingesetzt, wo die größten Risiken für Produktqualität oder Kundenzufriedenheit bestehen.
Beispiele für risikobasierte Auditansätze sind:
- Neue oder geänderte Prozesse mit unklarem Reifegrad.
- Lieferantenwechsel oder Zulieferer mit schlechter Historie.
- Bereiche mit hoher Reklamationsquote oder Prozessabweichungen.
Diese Vorgehensweise entspricht der Anforderung der ISO 9001:2015, Risiken und Chancen systematisch zu adressieren und so die Auditwirkung zu maximieren.
Umgang mit Widerstand: Psychologische Aspekte im Audit
Audits können auf Abwehrhaltungen stoßen. Ein Auditor benötigt daher soziale Kompetenz und strategisches Vorgehen, um Widerstände zu überwinden:
- Rechtfertigungen („Das haben wir schon immer so gemacht.“): Der Auditor lenkt das Gespräch auf die Normforderungen oder Prozessrisiken, nicht auf persönliche Kritik.
- Informationszurückhaltung: Durch offene W-Fragen und positives Framing (z. B. „Helfen Sie mir zu verstehen, wie wir diesen Prozess noch sicherer machen können.“) wird Vertrauen aufgebaut.
Glossar
- ISO 9001
- Internationale Norm für Qualitätsmanagementsysteme.
- ISO 19011
- Leitfaden für Auditierung von Managementsystemen.
- FPY
- First Pass Yield — Anteil fehlerfrei produzierter Einheiten beim ersten Durchlauf.
Weitere Definitionen
- NC
- Nichtkonformität — Abweichung von geforderten Kriterien.
- KVP
- Kontinuierlicher Verbesserungsprozess.
Quellenverzeichnis
Was ist ein Auditor – Aufgaben, Definition & Einsatzgebiete (Vorest AG)
— Diese Quelle erläutert die grundlegenden Aufgaben eines Auditors im Qualitätsmanagement und beschreibt, wie systematische Bewertungen, Analysen und Verbesserungen nach ISO 9001 erfolgen. Damit bildet sie die Basis für die Definition, den Ablauf und die Vorteile eines QMA Auditors in diesem Artikel.
Leitfaden ISO 19011 – SMCT MANAGEMENT concept
— Der Artikel beschreibt den strukturierten Ablauf von Audits gemäß ISO 19011 und legt dar, welche Kompetenzen, Planungsschritte und häufigen Stolperfallen für Auditoren in der Praxis zu berücksichtigen sind. Diese Informationen stützen die Beschreibungen zu Ablauf, Anforderungen und Praxisbeispielen im Beitrag.
Fragen zu unseren Webinaren, eLearning, Inhouse Dienstleistungen und allen anderen Themen?
🎓 Weiterbildung – Ein Weg zu nachhaltigem Unternehmenserfolg!
Setzen Sie auf effektive und praxisnahe Schulungen und Seminare für Ihr gesamtes Team und bleiben Sie dem Wettbewerb stets einen Schritt voraus. Profitieren Sie von:
- Relevanten und modernen Inhalten, die genau zu Ihren Zielen passen
- Maximalem Lernerfolg durch praxisnahe Beispiele und Expertenwissen
- Effizienter Umsetzung durch Auswahl relevanter und anwendbarer Inhalte
- Spürbar stärkerer Motivation und neuem Teamgeist
Sie wünschen eine unverbindliche Beratung oder direkt Ihr persönliches Angebot?
Nehmen Sie jetzt Kontakt auf – wir freuen uns auf Ihre Anfrage!
Schulungen und Weiterbildungen
Gerne verweisen wir an dieser Stelle auf unser umfangreiches Angebot an Schulungen und Weiterbildungen. Nutzen Sie jetzt die Zeit und die freigewordenen Kapazitäten Ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für deren qualifizierte Weiterbildung. Wir haben unser Online- und Präsenzangebot dahingehend angepasst. Ergreifen Sie diese Chance und kehren Sie gestärkt aus der aktuellen Situation auf Ihren Erfolgskurs zurück. Im Anschluss finden Sie unser Schulungsangebot und die dazu entsprechenden Termine. Sprechen Sie uns an. Wir freuen uns auf Sie!
💻 Online-Schulungen
Wir führen fast jede unserer Schulungen auch im Live-Onlineformat durch.
🏢 Präsenz-Schulungen
Präsenzschulungen finden mehrmals jährlich an verschiedenen Standorten statt.
🏠 Inhouse-Schulungen
Gerne unterbreiten wir Ihnen ein Angebot für Ihre individuelle Inhouse-Schulung.







Tihomir Milekovic
André Kapust
